Unsere Ängste beschützen unseren größten Schatz - unsere verletzte Kinderseele!

Corona holt sie ans Licht. Viele Menschen werden im Moment mit ganz tiefsitzenden Ängsten konfrontiert. Und das sind Ängste ganz unterschiedlicher Art. Natürlich fällt einem zuerst die Angst um die eigene Gesundheit ein. Aber da sind auch Existensängste, die Angst um einen geliebten Menschen, die Angst die Kontrolle zu verlieren oder fremdbestimmt zu werden. Es gibt die Angst zu kurz zukommen - also zu wenig abzubekommen - und die Angst vor Isolation und dem Alleinsein. Da ist die Angst vor Veränderung und die nackte Todesangst ansich. Bestimmt habe ich noch einige Ängste vergessen.


Mindestens drei Dinge haben all diese Ängste gemeinsam:


1. Sie finden alle einen Trigger, einen Auslöser, in den aktuellen Ereignissen.


2. Sie haben in der momentanen Krise eine berechtigte Grundlage. Das heißt, es ist normal, dass man sich in solch einer Außnahmesituation Gedanken und auch Sorgen macht. ABER: Diese Ängste sind größer und tiefgreifender als Gedanken und Sorgen. Sie beherrschen das Denken und Fühlen und können von z.B. Schlafstörungen, Kopf- und Magenschmerzen und Schweißausbrüchen über Wut und irrationales Handeln bis hin zur Panikattacke führen. Kurz: Sie bestimmen gerade dein Leben.


3. Wenn eine Angst so eine Macht über dich hat ist sie nicht neu. Sie ist nicht durch Corona entstanden. Corona und die damit verbundenen Einschränkungen und Ereignisse erinnern dich nur an ein früheres schmerzvolles Erlebnis. An ein Erlebnis, dass emotional für dich so existentiell und schmerzhaft war, dass du dir eine Schutzmauer zugelegt hast um dich vor einer Wiederholung dieses Zustandes zu schützen.


Meistens liegen diese Ereignisse in unserer Kindheit. Also in einer Zeit, in der wir nicht das Wissen, die Erfahrung und die Mittel hatten praktisch, logisch und selbstbestimmt mit der Situation umzugehen. So können auch im nachhinein bewertet kleine Auslöser zu großem Schmerz geführt haben. Und ein großer Schmerz braucht einen starken Schutz, eine starke Mauer um ihn nicht mehr zu spüren.


Diese Schutzmauer ist meist eine Kombination aus einer Verhaltensstrategie und der Abschirmung von unserem verletzlichsten Teil - von unserem größten Schatz - unserer kleinen, unbeschwerten und schutzlosen Kinderseele - von einem Teil unserer Gefühle.


Jeder von uns hat solche Verhaltensstrategien entwickelt die uns vor Verletzungen Schützen. Und diese Strategien leisten gute Arbeit. Auch heute noch.


Aber heute sind wir groß und erwachsen. Wir haben viele Erfahrungen gemacht; sind nicht mehr hilflos sondern handlungsfähig. Doch tief in uns ganz fest verankert steht da diese Mauer und tut Tag für Tag ihre Pflicht.


Im normalen Alltag begegnet sie uns oft in Glaubenssätzen und Werten über die wir uns definieren oder die uns regelmäßig Steine in den Weg werfen. Wir entwickeln uns weiter. Wir arbeiten bewußt an uns und wir sind schon lange nicht mehr das kleine hilflose Kind. Und doch geraten wir manchmal wieder in die alten Verhaltensmuster und hilflosen Gefühle. Immer dann, wenn eine Situation uns ganz stark an das ursächliche Ereignis erinnert. Diese Muster ziehen sich wie rote Fäden durch unser Leben und jeder kennt sie und ist von ihnen genervt und eingeschränkt.


Jetzt haben wir eine Krise, die weltweit eine Vielzahl an Auslösern bietet sich an seine Urangst zu erinnern. Das heißt viele Menschen sind gleichzeitig getriggert und in Angst. Dazu kommen die anderen, die sich Gedanken und Sorgen machen. Überall gibt es zur Zeit nur ein Thema. Angst ist ansteckend. Unsere Schurtzmauern beginnen zu bröckeln und wir können unsere Ängste nicht mehr kleinhalten oder sie verdrängen.


Wenn dich gerade solche Ängste plagen, dann such die Schuld nicht im Außen. Schau deiner Angst ins Auge. Was steckt hinter deiner aktuellen Angst? Was hat dich damals so verletzt? Und dann trete einen Schritt zurück und betrachte das ganze aus der Perspektive des Erwachsenen, der du jetzt bist. Und werde dir all der Möglichkeiten bewußt, wie du heute souverän die Situation meistern könntest. Nimm dein kleines Kinder-Ich an die Hand und sag ihm, dass du von jetzt an auf es aufpasst. Mal dir aus, wie ihr gemeinsam stark seid und unbeschadet durch das Ereignis kommt. Mal dir aus, wie dein Leben jetzt sein wird. Mit deinem größten Schatz an der Hand. Mit dieser Leichtigkeit, dem Vertrauen und der Lebensfreude, die die Verbindung mit deinem Kinder-Ich dir wieder schenken kann.


Und so klein und hilflos deine kleine Seele damals war, so birgt sie doch den größten Schatz für dich! Denn in der neuen Verbindung mit deinem Kinder-Ich wird dir bewußt werden, dass du nicht schutzlos sonder erwachsen und handlungsfähig bist. Und diese Verbindung von Bewußtsein, kindlicher Leichtigkeit und Vertrauen wird dir die Kraft und Stabilität geben in deiner Mitte zu bleiben, die Ruhe zu bewahren und selbstbewußt und selbstbestimmt durch diese Zeit zu kommen.


Du bist soviel mehr als die Angst! Schau ihr ins Gesicht und hol dir deine Stabilität und Sicherheit zurück!



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​© by Silke Hacke